Scott Horton, Provoked – How Washington started the New Cold War with Russia and the catastrophe in Ukraine.
The Libertarian Institute 2024, 678 pages
Horton untersucht die Beziehungen zwischen Russland und dem Westen, speziell den USA, während der Präsidentschaft von Bush Sr., Clinton, Bush Jr., Obama, Trump I, Biden, Trump II.
Er beschreibt den Zusammenhang der Doktrin der „Full-Spectrum Dominance“ und der „global rules-based liberal international order“. Charles Krauthammer, einer der einflussreichsten Kommentatoren der Neunziger hat das nach dem Fall der Sowjetunion kurz zusammengefasst: „We are living in a unipolar world. We Americans should like it – and exploit it”. In Bezug auf Europa sagte Präsident H.W. Bush: “The United States must and will remain a European power.” Ein paar Jahre später ergänzte der zeitweilige Präsidentenberater Zbigniew Brzezinski: „Unite Europe under an expanded NATO alliance.“
Mit dem Fall der Sowjetunion und der Berliner Mauer gewann die Deutsche Frage großes Gewicht. Die Wiedervereinigung wurde nicht nur von der SU (Gorbatschow) als potentielle Gefahr gesehen, sondern auch von den USA. Deutschland als neutrales, unabhängiges Land, womöglich mit Atomwaffen, könnte erneut außer Kontrolle geraten. Es wurde deshalb als notwendig angesehen. Deutschland in der NATO eingebunden zu halten. Das sei wichtiger als die NATO nach Osten („not one inch“) erweitern zu wollen.
H.W. Bush war eher zurückhaltend in Bezug auf Unabhängigkeitsbestrebungen der sowjetischen Republiken. Er meinte in seiner Rede, die als „Chicken Kiev“ in die Geschichte eingegangenen ist, es würde der Freiheit nichts nützen, wenn die unabhängigen Republiken von neuen Tyrannen regiert würden. Das galt auch für die Ukraine, die nur ein paar Tage später, Ende August 1991, trotz dieser Warnung, ihre Unabhängigkeit erklärte.
Die Beziehungen zwischen der SU und der USA führte zu militärischer Entspannung. Beide Mächte entfernten ihre jeweiligen atomaren Waffen von Schiffen, interkontinentale Raketen wurden aus dem „High Alert“ Status entfernt. So weit so gut, aber mit dem Zerfall Jugoslawiens entwickelten sich neue Konflikte. Eine wichtige Rolle dabei spielte Deutschland, das den Konflikt mit Waffenlieferungen anheizte („Genscher´s War“).
Die ehemaligen osteuropäischen Warschau-Pakt- Staaten und die sowjetischen Republiken im Baltikum drängten zur EU, aber eine Mitgliedschaft war schwierig und galt als verfrüht. Aus der Sicht der USA wäre die EU dann zu stark und nicht mehr kontrollierbar. Stattdessen glaubte man, eine NATO-Mitgliedschaft sei vorzuziehen, da die USA dort die eigentliche Macht sei. In Bezug auf die SU (unter Boris Jeltsin) machte die Clinton-Regierung Avancen mit einer „Partnership for Peace (PfP)“ genannten Allianz. Jeltsin wurde weißgemacht, das könnte ein erster Schritt zur vollen Gleichberechtigung und zum Beitritt zur NATO führen. Diese Perspektive wurde jedoch innerhalb der US-Administration boykottiert. Stattdessen gewann die Fraktion Oberhand, die Russland als potentiellen Gegner behandeln wollte. Jeltsin definierte die Beziehungen zu den USA nicht mehr als „Gegner“, sondern als „Partner“. Die führenden Kräfte in der Clinton-Regierung sahen das anders und vollzogen eine NATO-Erweiterung nach Osten vor, ohne russische Interessen zu berücksichtigen. Auf dem NATO-Spitzentreffen im Januar 1994 in Brüssel wurde auf Drängen von Präsident Clinton die NATO-Expansion als Ziel beschlossen. Unterstützt wurde Clinton im Laufe der nächsten Jahre von Senator Biden und von Außenministerin Madeleine Albright. Die Reaktion Russlands war zu erwarten. Die Russen fühlten sich ausgegrenzt und vermuteten eine sich negativ entwickelnde Entwicklung. Um die Russen etwas zu besänftigen wurde 1997 der Russland-NATO-Gründungs-Akt initiiert. Der damit verbundene NATO-Russland-Rat stellte sich aber schnell als Witz heraus. Nichts konnte dieser Rat beschließen. Im selben Jahr unterzeichneten die Ukraine und die NATO die „Charta einer bestimmten Partnerschaft“ und kurz danach übten NATO-Truppen aus den Schwarzmeerstaaten (Sea Breeze 97) nahe der Krim, als ob sie die Ereignisse von 25 Jahren später vorwegnehmen wollten.
Horton beschreibt detailliert die Entwicklung im zerfallenden Jugoslawien, wo Russland den Serben näherstand als den anderen Ethnien, und die USA und Westeuropa die NATO in den Konflikt einbrachten, bis hin zum Bombenkrieg gegen Serbien. Die US unterstützten insbesondere die Bosnischen Muslime, erreichten aber mit dem Abkommen von Dayton eine zeitweilige Lösung zumindest der Bosnienfrage. Russland hat sich kaum eingemischt und wurde auch nicht zur Lösung eingebunden. Aber mit der Bombardierung Belgrads betrachtete Russland die NATO nicht mehr als Verteidigungsbündnis, sondern als aggressive Kraft.
Eine besondere Beachtung gibt Horton den Transformationsprozessen der ehemals sozialistischen Ökonomien in kapitalistische Volkswirtschaften, der angewandten Schock-Therapie von Larry Summers, Andrei Shleifer, Jeffrey Sachs u.a., die dabei halfen, die russische Wirtschaft „total zu zerstören“. Boris Jeltsin wurde von den USA gegen dessen Widersacher unterstützt und zur Wiederwahl verholfen, obwohl seine Unterstützung in der Bevölkerung bei weniger als 6 Prozent lag. Die Wahl war ein einziger Betrug. Während seiner Regierungszeit haben die Oligarchen bzw. Gangster die Wirtschaft und damit das Land übernommen. Die Gangster kontrollierten inzwischen die Medien und konnten die öffentliche Meinung in ihrem Sinne beeinflussen, wenn nicht gar bestimmen.
In Clintons Amtszeit fällt dann auch der Kosovo-Krieg, den Horton detailliert beschreibt, deren Hauptprotagonisten erneut Joe Biden and Madeleine Albright waren („Madeleine´s War“). Hillary Clinton überzeugte ihren Ehegatten Serbien zu bombardieren. Russland war nicht in der Lage, in irgendeiner Form einzugreifen. Jeltsin musste sich mit einem Telegramm begnügen, der darauf hinwies, dass anti-amerikanische und anti-NATO Gefühle sich „wie eine Lawine vergrößern“ würden. Dieser Krieg trug zum Aufstieg Wladimir Putins bei. Nur wenige Stimmen, wie die des Senators Rand Paul, bewiesen Weitsicht. Paul sagte, ohne die SU als Feind kann die NATO-Militärmaschine nicht gerechtfertigt werden. Die NATO muss Feinde finden, um ihre eigene Existenz zur rechtfertigen, und Kampf gegen die Feinde mit notwendigen humanitären Erfordernissen begründen“.
Im Kaspischen Raum führen Ölinteressen zu den Konflikten bei, wie auch der Aufstand der Tschetschenischen Islamisten. Putin gewann Unterstützung im eigenen Land, weil er Lösungen für diese Probleme anbot. Horton vergisst nicht zu erwähnen, dass 10 von 19 Terroristen, die das World Trade Center zerstörten, am Tschetschenien-Krieg beteiligt waren.
Besondere Artikel beschäftigen sich mit den Farb-Revolutionen in Serbien, Aserbeidschan, Slowakei, Kroatien, Weißrussland und anderen Staaten. Er vergisst auch nicht den Beitrag dazu des deutschen „German Marshall Funds“ und der deutschen Regierung.
Die imperialistische Sicht wurde sehr von Brzezinski geprägt, der sich auf Hitlerfreund Halford Mackinder bezog: „Wer Osteuropa regiert, beherrscht das Herzland, wer das Herzland regiert, beherrscht die Welt-Insel, wer die Weltinsel regiert, beherrscht die Welt“. Ob Putin dieses Zitat von Mackinder kannte, ist nicht bekannt, aber vor dem Deutschen Bundestag 2001 äußerte er genau diesen Gedanken: Europa könne seine alte Bedeutung wiedergewinnen, wenn es gelänge, das eigene Potential und das von Russland, einschließlich der humanen, territorialen und natürlichen Ressourcen und seine ökonomischen, kulturellen und Verteidigungspotentiale zusammen zu bringen. George Friedmann, Leiter eines Think-Tanks, warnte, „die gefährlichste potentielle Allianz, aus US-Sicht, sei eine Allianz zwischen Russland und Deutschland, eine Allianz deutscher Technologie und Kapital mit russischen natürlichen und humanen Ressourcen.“ Er fuhr fort, eine solche Allianz sei gegen die Interessen der USA und müsse unbedingt verhindert werden.
Nach 9/11 entwickelten sich positive Signale für ein größeres Verständnis der beiden Supermächte. Präsident G.W. Bush traf Putin in Slowenien und war begeistert, er hätte dem Mann in die Augen geschaut und dessen Seele erkannt. Selbst Joe Biden war überzeugt, dass „seit Peter dem Großen kein russischer Führer sich so stark mit dem Westen gemein machen wolle wie Putin. Außenpolitiker Richard Haass meinte, „die Zeit der Rivalität sei vorbei“. Diese positive Stimmung hielt aber nicht lange vor. Bush wollte die Schwäche Russlands nicht ungenutzt lassen. Er kündigte im Dezember 2001 den ABM-Vertrag aus dem Jahre 1972 und ließ Raketen in osteuropäischen Ländern aufstellen. Neue Farb-Revolutionen in Georgien, Ukraine und Weißrussland wurden unterstützt oder gar initiiert, wenn auch nicht besonders erfolgreich. Die NATO-Erweiterung wurde 2004 erfolgreich durchgesetzt. Insbesondere die Einmischung in der Ukraine wurde intensiviert, unter anderem mit Hilfe des deutschen German Marshall Funds.
George W Bush sah zwar Putins Seele, aber folgte der „Russland-schwachmachen-Politik“. Mitte der Neunziger einigte sich seine Mannschaft die Ukraine und Georgien 2008 in die NATO aufzunehmen. Das führte schließlich zu dem Krieg zwischen Georgien und Russland um die Situation in Süd-Ossetien (Saakashwili`s War), den Georgien schmählich verlor. Deutschland und Frankreich hielten sich neutral in diesem Konflikt.
2009 begann eine neue Tauwetterperiode mit dem neuen Präsidenten, Barak Obama und dessen Außenministerin Hillary Clinton. Die hielt jedoch nicht lange an. Es folgte die Einmischung in Montenegros Wahlen und es folgten Auseinandersetzungen über kulturelle, humanitäre und terroristische Angelegenheiten. Besonderes Augenmerk erfährt der Maidan-Putsch in Kiew. Der Autor erwähnt, dass US-Experten eine Mitschuld an die Merkel-Regierung geben, weil Deutschland bzw. die EU der Ukraine unter Präsident Yanukovitsch nicht genug Geld zur Verfügung stellen wollten und damit der russischen Konkurrenz unterlag. Das führte zur prowestlichen Revolte, bei der die bekannte Victoria Nuland ihre Fäden zog („Fuck the EU“). Von nun an regierte praktisch der „Westen“ das Land. Die USAID fasste das zusammen: „Die gesamte Ukrainische Zivilgesellschaft war nichts anderes als Amerikanische und Westeuropäischer Astroturf“ (Kunstrasen), also dem westlichen Diktat unterworfen. Besonders wichtig dabei war die Rolle des US-Botschafters im Land und die des US-Vize-Präsidenten Joseph Biden.
Speziell beschreibt Horton im Detail die entscheidende Rolle der Alt- und Neonazis im Land. Ohne sie ging nichts mehr. Gegründet wurde die Organisation Ukrainischer Nationalisten (OUN) in den frühen 20iger Jahren, Symon Petljura nacheifernd, der sich während des russischen Bürgerkrieges zum Führer einer Ukrainischen Volksrepublik aufgeschwungen hatte. Petljuras Truppen beteiligten sich an Pogromen gegen Juden, bei denen mehr als 50,000 Juden ermordet wurden. Die Hauptbeschäftigung der OUN in jener Zeit war ihr Kampf gegen Polen, gegen Juden, Russen und andere Minderheiten. Sie ermordete 1934 sogar den polnischen Innenminister Bronislaw Pieracki. Ihre Führer, Stepan Bandera und Mykola Lebed wurden gefasst und von einem polnischen Gericht verurteilt. Während des Prozesses entstand der noch heute gebrauchte Slogan „Slava Ukraini“ (Heil der Ukraine). Nach dem Einmarsch der deutschen Truppen 1939 in Polen wurden sie von den Nazis freigelassen. Als die Nazis zwei Jahre später die Sowjetunion überfielen, revanchierten sich die OUN-Leute und wurden Mitglieder der SS. Bandera organisierte die „Nachtigall-Milizen“ und Lebed ließ sich von der Gestapo ausbilden. Ihr Ziel, einen unabhängigen ukrainischen Staat zu bilden ließ Hitler jedoch nicht zu. Bandera wurde interniert, aber seine Truppen reihten sich trotzdem ein in die deutschen Strukturen und halfen mit, zehntausende Juden, Polen und Russen zu ermorden. Einer ihrer Nazi-Kämpfer, Yaroslav Hunka, fand Zuflucht in Kanada, wurde dort sogar von Justin Trudeau geehrt, musste sich aber dann verstecken. Er wurde nie nach Polen ausgeliefert und lebt vermutlich immer noch versteckt irgendwo in Kanada.
1944 wurde Bandera freigesetzt und arbeitete für die Nazis in der Ukraine. Zum Kriegsende flüchtete Bandera über Österreich nach Deutschland, von wo er mit US-Geheimdiensten und dem von Nazi-Verbrecher Reinhard Gehlen (Fremde Heere Ost), ein Jahr in den USA ausgebildet, neu-gegründeten BND anti-sowjetische Terroristen organsierte, die in der Ukraine Anschläge verübten. 1958 gelang es dem KGB Bandera in München zu ermorden. Banderas Mitkämpfer fanden Zuflucht in Kanada, den USA und Großbritannien, wo sie von CIA, MI6 und anderen Organisationen betreut und für propagandistische Zwecke eingesetzt wurden. Sein Nachfolger, Yaroslarov, Stetsko, wurde von Präsident Reagan im Oval Office empfangen und geehrt. Eine direkte Folgeorganisation für die OUN ist die Partei Svoboda und auch das Azov Bataillon.
Horton beschreibt die Entwicklungen im Osten der Ukraine, wo sich Kräfte sammelten und für Unabhängigkeit eintraten. Er vergisst auch nicht auf das Massaker von Odessa am 2. Mai 2014 hinzuweisen, wo ukrainische Faschisten pro-russische Demonstranten im Gewerkschaftshaus einschlossen und dann das Haus abfackelten. 42 Menschen starben. Die Verbindungen der Ukrainischen Rechten mit Neo-Nazi-Gruppen im Ausland werden beleuchtet. Die Minsk-Abkommen von 2014 und 2015 werden dargestellt, inclusive den Anstrengungen von George Soros und seiner Organisationen, die Föderalisierung der Ukraine zu sabotieren. Die Einmischungen der USA und Russlands in den Bürgerkrieg Syriens werden dargestellt. Am Rande erwähnt wird auch das Problem der russischen Ölpipeline, die durch die Ukraine nach Westeuropa führt, von der nach russischen Angaben die Ukraine illegalerweise Öl abzapfte.
Die Ex-Außenministerin und Direktorin der Chevron Ölfirma Condoleezza Rice forderte in einem Washington-Post-Artikel von 2014 die Europäer auf, kein russisches Gas mehr zu kaufen und stattdessen auf Amerikanisches Öl zu setzen. Russland könne mit diesem Boykott ruiniert werden. Im Juni 2019 veröffentlicht der vom Pentagon kontrollierte RAND-ThinkTank die Studie „Extending Russia: Competing from Advantegous Ground“. Dort ging es um ISIS, Syrien, Ukraine und Weißrussland. U.a. wurde in diesem Papier damals schon vorgeschlagen, die deutsche Nord-Stream 2 Pipeline zu sabotieren.
Als die Wahlen von 2016 anstanden und Trump antrat, versuchten seine Gegner ihn mit der Behauptung zu desavouieren, Putin würde ihn vor Hillary Clinton vorziehen. Diese Kampagne gewann die Aufmerksamkeit der Medien (Russiagate). Ausgekocht wurde diese Kampagne von Teilen der Regierung (FBI, CIA) und der Clinton-Mannschaft, bzw. der Demokratischen Partei. Die behauptete Kollusion von Putin und dem Trump-Team konnte nie bewiesen werden und konnte auch nicht verhindern, dass Trump gewählt wurde. Horton verfolgt dann die einzelnen Schritte und Faktoren wie z.B. die Rolle der Ukraine, die zu Russiagate führten und wie sie aufgearbeitet wurden. Russiagate hat sich nicht nur gegen Trump gerichtet, sondern auch gegen Jill Stein, die Präsidentschaftskandidatin für die Grüne Partei, bzw. auch gegen Tulsi Gabbard, die in den demokratischen Vorwahlen gegen Clinton Bernie Sanders bevorzugt hatte. Nichtsdestotrotz folgte Trump 2017 dem Rat seiner Neo-Con-Ratgeber John Bolton und Mike Pompeo Waffen in die Ukraine zu senden.
2019 wurde in der Ukraine Poroschenko abgelöst von Wladimir Selenski, der die Wahl in der Ukraine gewann mit dem Versprechen, das Donbas-Problem, also den lokal begrenzten Krieg zu beenden und Frieden herzustellen. Die Trump-Regierung im Verein mit den ukrainischen Nazis verhinderten das, und der von Deutschland (Steinmeier) favorisierte Vorschlag, mehr oder weniger die Minsk-Pläne umzusetzen, landete in der Tonne. Stattdessen kümmerten sich die Trump-Fans um die Rolle von Hunter Biden mit seinem Engagement für die ukrainische Fa. Burisma Holdings und mit Joe Bidens Rolle in der Ukraine, allerdings mit nicht allzu viel Erfolg (Ukraine Gate). In Trumps erster Amtszeit wurden die internationalen Vereinbarungen zur Reduktion und Kontrolle internationaler Raketen (Open Skies) und Atomwaffen aufgelöst.
Trumps Nachfolger, Joseph Biden, trat sein Amt an, mit dem Willen Spannungen mit Russland nicht aus dem Wege zu gehen. Am 14.6.2021 versprach die NATO in der Bukarester Erklärung den Willen, die Ukraine in die NATO aufzunehmen. Putin reagierte mit der Bemerkung, die NATO-Ausdehnung sei ein Hauptfaktor in seiner Entscheidung Streitkräfte an der Grenze aufzustellen. In den folgenden Wochen schaukelte sich die Spannung hoch. Die USA fanden sich nicht bereit, von der NATO-Idee abzulassen. Im Februar 2022 versuchten Scholz und Macron die alte Minsk-Formel zur Lösungsformel („Normandie-Format“) zu machen. Selenski lehnte strikt ab. Putin erkannte am 21.Februar 2022 die Donbas-Provinzen als unabhängige Staaten an. Damit begann praktisch der Krieg, die sog. Spezielle militärische Operation.
Beide US-Parteien waren sich einig, die Ukraine mit Waffen, Material und Geld zu unterstützen. Trump und Hillary Clinton waren sich plötzlich einig. Es war allen klar, dass die Ukraine nie gewinnen kann, aber gut genug, um Russland länger zu beschäftigen und ausbluten lassen. Der Krieg gestaltete sich als Stellvertreterkrieg (Proxy War) des Westens gegen Russland. Möglichkeiten für Verhandlungslösungen wurden sabotiert. Insbesondere die Briten legten sich da fest. Boris Johnson flog extra nach Istanbul, um den schon ausgearbeiteten Text des abgestimmten Dokuments als unmöglich umzusetzen abzulehnen. In der Ukraine selbst drohten die Nazis, die Regierung zu stürzen, falls Selenski versuchen würde, das Abkommen umzusetzen. Selenski spielte gehorsam mit. Die Deutschen ebenso, mit einer Ausnahme. Im May 2024 wurden sieben Ukrainische Soldaten, die in Deutschland zur Ausbildung waren, ausgewiesen, weil sie Nazi-Insignia trugen. Aber ansonsten wurden ukrainische Soldaten wie Mitglieder der NATO behandelt. Selbst sog. Bündnisstaaten (NATO) wurden auf den eingeschlagenen Kurs gezwungen. Horten bezieht sich da unter anderem auf die Sprengung von Nord Steam 2.
Horton kritisiert die Vorstellung, die Ukraine sei demokratisch regiert. Alle Oppositionsparteien werden behindert, wenn nicht gar verboten. Die Medien werden zensiert, orthodoxe Kirchen verboten. Selbst Ex-Boxer und Kiews Bürgermeister Vitali Klitschko sieht kaum noch einen Unterschied zwischen russischen Verhältnissen und den eigenen. Es wird als „transitional or hybrid regime“ („Übergangs- oder Hybridregime“) bezeichnet. Selenski sei ein Autokrat. Kanzler Merz` Arbeitgeber, Black Rock, freut sich schon über die Möglichkeit, die Ukraine nach Kriegsende aufzubauen. Die Weltbank beziffert die Kosten für den Wiederaufbau auf mehr als $400 Milliarden. Korruption ist allgegenwärtig. Selenski musste schon zweimal sein Kabinett auswechseln, weil zu viel Geld gestohlen wurde. Viel Geld, das das Regime von ausländischen Geldgebern erhält, wandert z.T. zurück als Bestechungsgelder in den US-Kongress.
In Think Tanks und in Organisationen des Militär-Industriellen-Komplexes (MIK) werden Studien zusammengestellt, wie Russland „dekolonisiert“, also aufgebrochen werden könne. Königsberg z.B. sollte zurück an Preußen fallen. Nichts dergleichen kann beobachtet werden. Stattdessen wird die Kriegssituation für die Ukraine immer prekärer. Die sog. Gegenoffensive, um russische Truppen zurückzudrängen, schlug völlig fehl. Der zuständige Kriegsminister Saluschnyi musste zurücktreten. Private Versuche prominenter Personen, wie Richard Haass, Charles Kupchan und Thomas Graham, Diskussionskanäle mit russischen Stellen, u.a. Außenminister Lavrov zu nutzen, scheiterten. Präsident Biden lehnte diese Kontakte vehement ab. Horton erwähnt die Aktivitäten der CIA, die innerhalb Russlands Sabotageaktionen koordiniert.
Russische Nazis sind gespalten. Eine Fraktion (Russian Volunteer Corps – RDK) unter Führung eines Denis Kapustin hat sich den ukrainischen Nazis angeschlossen und mindestens 100 russische Nazis kämpfen zusammen mit ukrainischen Soldaten und Milizen. Ausgebildet wurden einige der russischen Nazis in Großbritannien.
Bezüglich möglicher russischer Alternativoptionen verweist Horton auf Aaron Maté, der meint, Putin hätte UN-Peacekeepers in den Donbas einladen können, Russland hätte den UN-Sicherheitsrat mit einem kontinuierlichen Veto lahmlegen können, bis Minsk II umgesetzt worden wäre, Russland hätte alle Öllieferungen in die Ukraine und darüber hinaus einstellen können. Antikriegsaktivist David Swanson sind noch 30 weitere Möglichkeiten eingefallen, aber Putin hat sich anders entschieden, offenbar weil die westliche Durchdringung der Ukraine schon zu weit fortgeschritten war. Das Resultat sieht Horton als Pyrrhussieg Russlands, da die Ukraine nun ihre große russische Minorität im Lande praktisch verloren hat und Finnland und Schweden der NATO beigetreten sind
2024 war Deutschland erneut betroffen. Die USA begannen atomar-bestückte Raketen mitten in Deutschland aufzustellen. Russland hat darauf nur geantwortet, entsprechende Gegenvorsichtsmaßnahmen würden eingeleitet. Langsam setzte sich trotzdem die Überzeugung im Weißen Haus durch, dass die Ukraine den Krieg nicht gewinnen kann. Biden hatte aber keinen Plan B, wie aus dem Schlamassel rauszukommen.
Inzwischen, Sommer 2024, zählte die UN-Flüchtlingskommission mehr als 6 Millionen Ukrainer, die ihr Land verlassen hatten, davon mehr als eine Million nach Russland. Knapp 4 Millionen waren im Lande selbst in sichere Gebiete geflohen. Damit waren 25 bis 30 % der ukrainischen Bevölkerung direkt vom Kriegsgeschehen betroffen und mussten flüchten.
Zur neuen US-Präsidentenwahl griff die Opposition zu Trump erneut auf die altbewährte Politik des RussiaGate zurück. Erneut in führender Stelle mit dabei James Clapper und der Ex-CPUSA-Wähler (1976) und CIA-Direktor unter Obama, John Brennan. Es half wieder nichts. Und Trumps Wahlversprechen, den Ukrainekrieg sofort zu beenden, funktionierte auch wieder nicht.
RPB 12.12.2025, Guenter Langer