Gute Juden, schlechte Juden

Nachdem ich kürzlich erfahren habe, dass ich angeblich einer „rechtsradikalen nationalistischen jüdischen Gruppierung“ angehöre, die nicht nur vehement für ein „araberreines Israel“ kämpfen, sondern auch noch dazu dem „eh schon vorhandenen Antisemitismus in Deutschland Vorschub leisten“ soll, war ich doch einigermaßen überrascht. Denn der Logik, wonach Juden selbst für Antisemitismus verantwortlich sein sollen, bedienten sich ja eigentlich bislang eher nur professionelle Antisemiten. Nun jedoch kommt sie von Klaus Kufner, einem österreichischem Blogger und „Vater dreier jüdischer Kinder”, der mir in seinem aufschlussreichen Traktat nicht nur allerhand kriminelle Energie nachsagt, sondern darin zugleich zwischen guten und schlechten Juden unterscheidet.

Die guten Juden, das sind diejenigen, die sich pausenlos über israelische Wohnungen in der israelischen Hauptstadt empören, ihren nicht-jüdischen Freunden die Werke Uri Avernys ans Herz legen und in ihrer Freizeit gerne Daniel Barenboim – Konzerte besuchen. Manche von ihnen geben auch „israelkritischen“ Blättchen wie der NRHZ oder der „Freiheitsliebe“ Interviews und halten im Anschluss Vorträge über Antisemitismus bei der „antizionistischen“ Linkspartei. Kurz: Die guten Juden sind in Deutschland perfekt integriert. Auch Klaus Kufner gehört zu dieser Gruppierung. Denn der kluge Mann aus Österreich weiß, dass nicht etwa der Iran, sondern vielmehr eine läppische Meinungsverschiedenheit über einen arabisch-israelischen Waldorfkindergarten das wahre Hindernis für den Weltfrieden darstellt.

Und dann gibt es halt leider auch noch die „rechtsextremen“ Nestbeschmutzer. Das sind die schlechten Juden. Die erkennt man daran, dass sie lieber zur Iran-Demo anstatt zur „Lichterkette gegen das Vergessen“ gehen. Während die guten Kollegen Barenboim lauschen, sitzen sie lieber mit Pina Colada im Liegestuhl am Strand von Tel Aviv. Darum finden sie es auch nicht so prickelnd, wenn Israel geraten wird, sich doch endlich mal mit der Hamas in den sicheren Selbstmord zu dialogisieren. Außerdem sind die schlechten Juden eigentlich viel zu unbequem und stellen ständig lästige Fragen – mitunter auch zu einem Verein, der auf den ersten Blick rechtlich nicht koscher zu sein scheint. Das nennt man dann übrigens „digitale Lynchjustiz“ (Kufner) und „NSDAP Niveau“, wie ich in der Kommentarspalte meines Blogs soeben erfuhr. Kurz: Die schlechten Juden sind die neuen Nazis.

Und das will nicht nur der Hobby-Antisemitismusforscher Klaus Kufner suggerieren, dem wir diese bahnbrechende Erkenntnis zu verdanken haben, sondern möglicherweise auch Ruprecht Polenz, der dessen Ergüsse zustimmend auf seiner Facebook-Pinnwand verlinkte.


Jennifer Nathalie Pyka, München, Bayern, Germany,
Bachelor of Arts (Politikwissenschaft), 22 Jahre jung.

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